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Geschichtliche Entwicklung und ursprüngliche Anliegen 
 

Wie alles begann. Zu Beginn der 70er Jahre engagierte sich eine Gruppe von im psychosozialen Bereich tätigen Personen in Linz für eine Ausbildung in Klientenzentrierter Psychotherapie. Dafür wurden zwei Ausbildnerinnen der GwG (Dipl.-Psych. Uschi Plog und Dipl.-Psych. Susanne Börner) aus Hamburg (mit Prof. Tausch damals das Zentrum der GwG) gewonnen. Die Ausbildung entsprach dem außer-universitären Teil der GwG-Grundausbildung bzw. dem von Truax und Carkhuff [1] in den USA entwickelten Programm. Inhaltlich bedeutete dies eine ausgesprochen praktisch-klinische Orientierung, die in der Folge auch für die ÖGWG insgesamt charakteristisch werden sollte. Im Mittelpunkt standen eine umfassende persönliche Erfahrung mit den Grundhaltungen und deren Einüben in konkreten Beratungssituationen. Letzterem diente auch die Supervision von therapeutischen Gesprächen mittels obligatorischer Tonbandaufzeichnungen. 

 

Vereinsgründung. Die Mehrzahl der Teilnehmer dieser Ausbildung gründete im März 1974 die ÖGWG. Ausschlaggebend für die Gründung eines eigenen Vereins war unter anderem die Absicht, einen qualitätsvollen Zugang zur psychotherapeutischen Tätigkeit auch für nicht-akademische Quellenberufe offen zu halten. Zur Weiterverbreitung des Rogersansatzes wurden in der Folge, unter anderem in Zusammenarbeit mit GwG-Ausbildner/innen, österreichweit praxisbegleitende Ausbildungen (für Schulpsycholog/innen, Eheberater/innen, Sozialarbeiter/innen u. a. m.) in vielen einschlägigen Institutionen eingerichtet. Die praktisch-klinische Ausrichtung galt auch für Kurse, die von Psychologiestudent/innen in Wien, Salzburg und Innsbruck selbständig organisiert wurden.

 

Kontinuierliche Weiterentwicklung. Nach der Zeit der raschen Verbreitung im gesamten Bundesgebiet wurde die Ausbildungsstruktur radikal verändert. Es wurden eigene Auswahlverfahren (damals eine ausbildungsvorbereitende Jahresgruppe, heute Vorgespräche mit Lehrpersonen und ein Auswahlseminar), das Programm einer mehrjährigen, geschlossenen Ausbildungsgruppe (heute mit 12 bis 14 Teilnehmer/innen und von einem Ausbildnerpaar geleitet), eine davon personell völlig getrennte Einzel-Lehrtherapie und schließlich ein kommissioneller Abschluss mit schriftlicher Abschlussarbeit eingeführt. Die Erarbeitung des Konzepts der Vertiefung der Selbsterfahrung im geschützten Rahmen einer Einzel-Lehrtherapie darf sicherlich als Pionierleistung der ÖGWG innerhalb der Personzentrierten Gemeinschaft angesehen werden. Die Struktur der Therapieausbildung war jedenfalls so gestaltet, dass 1992 nur relativ wenige Adaptionen an die Normen des nunmehr etablierten Psychotherapiegesetzes nötig waren und sofort die staatliche Anerkennung als Fachspezifikum erlangt werden konnte.

Zahlreiche Veranstaltungen. Weitere Höhepunkte in der Arbeit mit dem Rogersansatz können in den vielen von der ÖGWG initiierten oder mitgetragenen nationalen und internationalen Veranstaltungen gesehen werden: die mittlerweile legendär gewordenen Großgruppen-Encounter 1979 bis 1985 in Pöllau (Stmk.), das Symposion "50 Jahre Personorientierter Ansatz" 1990 in Großrußbach, die "3. Internationale Konferenz für Experientielle und Klientenzentrierte Psychotherapie" in Gmunden 1994, die Jubiläumskongresse der deutschsprachigen Vereinigungen für Klientenzentrierte Psychotherapie in Salzburg 2000 und 2004, die äußerst erfolgreichen großen Fortbildungsveranstaltungen im Rahmen der jährlichen "ÖGWG-Woche" (ab 2002), das Symposium "100 Jahre Carl Rogers“ im Rahmen des 3. Weltkongresses für Psychotherapie 2002 in Wien, die Internationalen Fachtagungen für Klienten-/Personzentrierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (ab 2007) u.v.a.m.

Wissenschaftliches Magazin. Die ÖGWG hat im Jahr 1997 (zusammen mit der APG) die wissenschaftliche Zeitschrift "PERSON" begründet, die in halbjährlicher Erscheinungsweise herausgegeben wird. Mittlerweile wurden auch die Schweizer Gesellschaft für den Personzentrierten Ansatz (pca.acp) und die Deutsche Ärztliche Gesellschaft (ÄGG) sowie die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) als Mitherausgeber gewonnen, so dass die Repräsentativität dieser peer-reviewed Zeitschrift für den gesamten deutschen Sprachraum gegeben ist.

Weiterbildungen. Die ÖGWG hat schon in den 80er Jahren eine Weiterbildung für Familientherapie organisiert und bietet nunmehr seit vielen Jahren laufende Weiterbildungen in Personorientierter Kindertherapie sowie (mit dem IPS der APG gemeinsam) eine Ausbildung für Personzentrierte Supervision und Organisationsentwicklung an.

Internationales Engagement. Im Zusammenhang mit einem ÖBVP-Projekt begründete die ÖGWG eine Ausbildung in Klientenzentrierter Psychotherapie in Truskawetz bei Lviv (Lemberg) in der Ukraine (1994 - 1999) [2]. Um den Teilnehmern, die aus mehreren GUS-Staaten kamen, die Ausbildung zu ermöglichen, arbeitete das Lehrpersonal unentgeltlich. Dies gilt auch für die weitere Fortbildung und Supervision in der Ukraine sowie für die weiteren seither von der ÖGWG allein initiierten und getragenen Ausbildungen in Klientenzentrierter Psychotherapie in Rumänien (ab 1999) [3] und in Russland (ab 2000 in Moskau und Nischni Nowgorod) [4]. Zusätzlich unterstützt der Verein die Übersetzung wichtiger klientenzentrierter Literatur ins Russische.  


[1]  Vgl. Truax, Ch. & Carkhuff, R.: Toward Effective Counseling and Psychotherapy. Chicago: Aldine 1967
[2]  Keil Wolfgang W. (2001). Ausbildung in Klientenzentrierter Psychotherapie der ÖGwG in der Ukraine 1994-1999. PERSON, 5 (1), 65-73.
[3]  Kinigadner Sonja (2004), Klientenzentrierte Therapieausbildung in Rumänien – Ein Projekt der ÖGWG. PERSON, 8 (1), 69-73.
[4]  Stölzl Norbert, Pokhmelkina Galina & Benko Edwin (2004). Ausbildung in Klientenzentrierter Psychotherapie der ÖGWG in Moskau 2000-2005. Keil, W.W. (2001). Ausbildung in Klientenzentrierter Psychotherapie der ÖGwG in der Ukraine 1994-1999. PERSON, 5 (1), 74-77.