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Forschung in der Klientenzentrierten Psychotherapie

Der Klientenzentrierte Ansatz kann die - nach der Verhaltenstherapie – umfangreichste Forschung zur Psychotherapie vorweisen. Rogers hat, beginnend in den 1940er Jahren, vor allem viele Therapieprozesse in ihren Zusammenhängen mit verschiedenen Prozessvariablen und mit den Therapieergebnissen untersucht und damit die "process-outcome"-Forschung in der Psychotherapie begründet. Einzigartig ist dabei auch die Analyse und das öffentliche Zur-Verfügung-Stellen von Therapietranskripten einschließlich der Analyse von fehlgeschlagenen Therapien. Speziell erwähnt sei hier nur das ausführliche Untersuchungsprojekt über die Therapien mit stationären schizophrenen Patienten in Wisconsin (Rogers et al., 1967). Für eine ausführliche Darstellung der gesamten Forschungstätigkeit von Rogers wird auf die in PERSON erschienene kritische Würdigung von Korunka, Nemeskeri und Sauer (2001) verwiesen.

Unter den vielen weiteren Studien finden sich u.a. die geläufigen Untersuchungen zur Einschätzung des Therapeutenverhaltens (Grundhaltungen) und der Selbstexploration des Klienten unter Verwendung diverser Einschätzskalen für geschulte Rater oder unter Verwendung diverser Klienten-Fragebögen (etwa das Relationship Inventory von Barrett-Lennard, woraus Eckert, Höger  und Kollegen die gebräuchlichen Klienten-, Therapeuten und Gruppen-Erfahrungsbögen entwickelt haben). Die Mehrheit aller Studien belegt die Wirksamkeit der Klientenzentrierten Therapie, die therapeutische Beziehung erwies sich dabei als größter Wirkfaktor.

Nach den zunächst meist amerikanischen Forschungen entwickelte sich auch in Deutschland (einschließlich der ehemaligen DDR) eine reiche Forschungskultur zur Gesprächspsychotherapie. Ein Schwerpunkt dabei lag bei Prof. Tausch in Hamburg, dessen Untersuchungsprogramme z. T. auch weit über den Bereich der Psychotherapie hinaus die Charakteristika förderlicher Kommunikation in vielen pädagogischen und Alltagsbereichen erfasste.

Seit etwa 1980 sind in der Psychotherapieforschung Metaanalysen gebräuchlich geworden, bei denen die in vielen einzelnen Studien erfassten Veränderungen rechnerisch zusammengefasst und in „Effektstärken“ angegeben werden. Für unseren Ansatz sind inzwischen mindestens sechs solcher Metaanalysen durchgeführt worden. Elliott, Greenberg & Lietaer (2004) haben für die 5. Auflage von Bergin & Garfield's handbook of psychotherapy and behavior change 112 Untersuchungen von Personzentrierten (einschließlich emotionsfokussierter) Therapien analysiert und eine Effektstärke von .86 errechnet. In der in der 6. Auflage dieses Handbuchs erschienenen Metaanalyse von Elliott, Greenberg, Watson, Timulak & Freire (2013) wurde eine Effektstärke von .95 bei 199 Untersuchungen von Humanistischen Psychotherapien festgestellt.

Eine informative Übersicht und Zusammenfassung der Untersuchungen zur Klientenzentrierten Psychotherapie findet sich in: Cooper, M., Watson, J.C. & Hölldampf, D. (2010). Eine detaillierte Übersicht über die Wirksamkeitsuntersuchungen im Zeitraum 1996 – 2006 bieten File, N., Hutterer, R., Keil, W.W., Korunka, C. & Macke-Bruck, B. (2008).

Forschung in der ÖGWG

Eine einzelne therapeutische Vereinigung wie die ÖGWG hat leider nicht die Ressourcen, umfassende empirische Untersuchungen selbstständig durchzuführen. Notwendig und unverzichtbar ist in jeder Therapieschule jedoch die Analyse und Reflexion der eigenen therapeutischen Tätigkeit. In der ÖGWG geschah dies – wie in anderen Vereinigungen auch – u.a. in Form von Abschlussarbeiten, in denen eigene Therapieverläufe analysiert und reflektiert werden. Aus Gründen der Verschwiegenheit und des Klientenschutzes können diese Arbeiten allerdings nicht veröffentlicht werden. Im Rahmen der Kooperation mit der Donau-Universität Krems besteht inzwischen die Möglichkeit, auch mit einer wissenschaftlichen Theorie- oder Forschungsarbeit in Form einer Masterthesis abzuschließen. Hier liegen mittlerweile eine ganze Reihe aussagekräftiger Arbeiten vor. Die Masterthesen sind über die Homepage der Donau-Universität Krems auch im Volltext abrufbar. Ebenfalls liegen eine große Zahl von Theoriearbeiten vor, die im Rahmen unserer Universitätslehrgänge erstellt wurden. In Kürze stellen wir hier ein Verzeichnis der akademischen Abschlussarbeiten sowie der Masterthesen aus der ÖGWG zur Verfügung.

Eine größere Untersuchung v.a. über die Therapiedauer Klientenzentrierter Therapien in Österreich wurde im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität Wien durchgeführt (Korunka, Keil & Haug-Eskevig, 2003). Ausgewertet wurden bei einer Rücklaufquote von 16% aller ÖGWG-Mitglieder die Angaben von 92 Therapeutinnen und Therapeuten über 175 abgeschlossene Einzeltherapien mit Erwachsenen. Demnach umfasst die Dauer einer Klientenzentrierten Therapie durchschnittlich 61 Stunden; die häufigsten Diagnosen sind dabei neurotische Störungen (46%), affektive Störungen (28%), Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen (8%) sowie Persönlichkeitsstörungen (8%).

In den letzten sieben Jahren hat die Wissenschaftskommission der ÖGWG große Anstrengungen unternommen, eigene Forschungsaktivitäten in der ÖGWG zu ermöglichen, zu planen und durchzuführen. Die beiden ersten aktuellen Forschungsprojekte der ÖGWG Wissenschaftskommission werden im folgenden Forschungsbericht von F
ile, Keil, Schabus & Sauer (2014) dargestellt:

 Ansätze zur empirischen Forschung in der Klientenzentrierten Psychotherapie in Österreich

QUELLEN:

Cooper, M., Watson, J.C. & Hölldampf, D. (2010). Person-centered and experiential therapies work. A review of the research on counseling, psychotherapy and related practices. Ross-on-Wye: PCCS-Books.

Elliott, R., Greenberg, L.S. & Lietaer. G. (2004). Research on Experiential Psychotherapies. In M.J. Lambert (Ed.), Bergin & Garfield's handbook of psychotherapy and behavior change (5th ed.) (pp. 493-539). New York: Wiley.

Elliott, R., Greenberg, L.S., Watson, J., Timulak, L. & Freire, E. (2013). Research on humanistic-experiential Psychotherapies. In M.J. Lambert (Ed.), Bergin & Garfield's handbook of psychotherapy and behavior change (6th ed.) (pp. 495-537). New York: Wiley.

File, N., Hutterer, R., Keil, W.W., Korunka, C. & Macke-Bruck, B. (2008). Forschung in der Klienten- bzw. Personzentrierten und Experienziellen Psychotherapie 1991-2008. Ein narrativer Review. PERSON, 12 (2), 5-32.

File, N., Keil, W., Schabus, M. & Sauer, J. (2014). Ansätze zur empirischen Forschung in der Klientenzentrierten Psychotherapie in Österreich. PERSON, 18(1), 18-30.

Korunka, C., Keil, W.W. & Haug-Eskevig, K. (2003). Klientenzentrierte Psychotherapie in Österreich – Eine Bestandsaufnahme aus praxeologischer Sicht. Person, 7 (2003), 1, 70-80.

Korunka, C., Nemeskeri, N. & Sauer, J. (2001). Carl Rogers als Psychotherapieforscher – Eine kritische Würdigung. Person, 5 (2), 68-89.

Rogers C.R. (Ed.) with the collaboration of ET Gendlin, DJ Kiesler, DJ Truax (1967) The therapeutic relationship and its impact: A study of psychotherapy with schizophrenics. Madison: University of Wisconsin Press