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Therapeutin |
Klient |
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Kontakt (Rogers' Bedingung 1) |
Kontakt (Rogers' Bedingung 1) |
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Kongruenz (Rogers' Bedingung 3) |
Inkongruenz (Rogers' Bedingung 2 |
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Erleben von unbedingter Wertschätzung und empathischem Verstehen der Klientin (Rogers' Bedingungen 4 und 5) |
(Implizit wirksames) Experiencing, Felt Sense (Gendlins Experiencing-Konzept) |
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Wirkliche Interaktion, so dass das „Antworten“ des Therapeuten die Klientin innerlich berührt (Gendlins "Wiederherstellung") |
Wahrnehmung der Wertschätzung und der Empathie des Therapeuten (Rogers' Bedingung 6) |
Mit dem Experiencing–Konzept wird darüber hinaus ein direkter Bezug zur phänomenologischen und zur existenzialistischen Philosophie als Metatheorien der Klientenzentrierten Therapie hergestellt. Während einerseits das Anliegen der phänomenologischen Wesensschau im Explizieren des implizit Gespürten konkretisiert wird, können zum Zweiten implizit wirksames experiencing bzw. strukturgebundenes Erleben als alltäglich erfahrbare Formen eigentlicher bzw. dem Uneigentlichen verfallener Existenz aufgefasst werden. Wenn auch Bense (1981) mit Recht vor einem zu simplifizierenden Dualismus in diesem Zusammenhang warnt, so kann man doch festhalten, dass der Gendlin'sche Begriff des Experiencing dem Menschenbild der existenzialistischen Philosophie mit seiner Betonung der Selbstverantwortlichkeit und Freiheit besonders verbunden ist.
Das klientenzentrierte Therapiekonzept hat sich auch nach Rogers und Gendlin weiter entwickelt und differenziert. Ein inhaltliches Kriterium für die Unterscheidung der verschiedenen Varianten kann dabei in der Grundausrichtung oder Zielsetzung des therapeutischen Vorgehens gesehen werden. Therapeutisches Vorgehen ist immer von der Absicht getragen, die jeweiligen Therapieziele zu erreichen. Im Rahmen des Therapiekonzepts von Rogers kann eine zweifache „Absicht“ oder Orientierung des therapeutischen Vorgehens formuliert werden. Die Therapeutin soll einmal eine gewisse Lebensweise bzw. die dafür charakteristischen Grundeinstellungen in sich selbst aufweisen. Zum weiteren soll sie bemüht sein, diese Grundhaltungen so zu vermitteln, dass der Klient sie als solche wahrnehmen kann. Alle Vertreter der Klientenzentrierten Therapie stimmen darin überein, dass die grundsätzliche Orientierung des therapeutischen Vorgehens sich basal auf die Verwirklichung und Vermittlung der Grundhaltungen richtet.
Viele, vor allem klinisch tätige, Klientenzentrierte Therapeuten spezifizieren diese Orientierung aber noch etwas weiter darüber hinaus. Sie bestreiten, dass die Grundhaltungen eine völlige diagnostische Absichtslosigkeit fordern, und finden es im Gegenteil wichtig, dass ein (diagnostisch relevantes) Wahrnehmen von Unterschieden im Erleben des Klienten mit ihnen einhergeht. Um das Erleben des Klienten wirklich empathisch verstehen zu können, muss also in bestimmter Weise kongruentes von inkongruentem Erleben unterschieden werden und es kann nicht mit beidem in gleich–gültiger Wertschätzung therapeutisch umgegangen werden. Zudem muss beachtet werden, dass ohne ausreichendes Wissen von vielen störungsbedingten Erlebensformen diese gar nicht empathisch verstanden werden und die Grundhaltungen somit nicht in einem therapeutisch notwendigen Maß verwirklicht werden können. Dementsprechend möchte ich innerhalb der Klientenzentrierten Therapie von einer Grundorientierung, die sich ausschließlich um die Verwirklichung der Grundhaltungen bemüht, eine spezifisch klinisch ausgerichtete Orientierung unterscheiden. Bei dieser hat die Therapeutin die spezielle „Absicht“, aus den Grundhaltungen heraus gerade das „gestörte“ Erleben gut zu erfassen und zu verstehen und dadurch dem Klienten ebenfalls das Gewahrwerden von Inkongruenz zu ermöglichen.
Eine dritte Grundorientierung therapeutischen Vorgehens lässt sich in der auf Gendlin zurückgehenden Tradition der „Experiential Therapy“ ausmachen. Den Ausgangspunkt bildet hier die Erfahrung, dass sich die für therapeutische Veränderung nötige Tiefung des Erlebens nicht in allen Fällen „von selber“ ergibt. Wenn die Person in ihrem „strukturgebundenen Erleben“ verfangen ist, bedarf die „Wiederherstellung“ des vertiefenden Experiencing–Prozesses eines Anstoßes, der von außen, d. h. von einer anderen Person kommt. Dementsprechend hat die Therapeutin hier die „Absicht“, auf der Basis der Grundhaltungen einen der Therapie adäquaten Erlebensprozess beim Klienten anzustoßen und zu ermöglichen.
Die verschiedenen Weiterentwicklungen innerhalb des Klientenzentrierten Therapiekonzepts werden hier also drei Grundorientierungen bzw. Zielsetzungen des therapeutischen Vorgehens, wie in der folgenden Tabelle stichwortartig charakterisiert, zugeordnet. In Anlehnung an G. Stumm (Vortrag PCE 2003 Kongress) differenziere ich diese drei Strömungen in der Klientenzentrierten Therapietheorie noch weiter aus. Da die Position „Grundhaltungen allein“ meist sehr radikal vertreten wird, ordne ich sie als fundamentalistisch ein; von der „Klinischen Orientierung“ unterscheide ich die Interpersonelle und die Existenzialistische Orientierung sowie die Systemtheoretische Perspektive. Zu Letzterer zählt v.a. das Konzept einer Personzentrierten Systemtheorie von Kriz, eine spezielle Therapietheorie wurde hier allerdings noch nicht ausgearbeitet.
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Grundhaltungen allein |
Klinische Orientierung |
Arbeit am Experiencing |
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FUNDAMENTALISTEN NON-DIREKTIVITÄT Dem Klienten folgen, Vertrauen auf dessen Selbstentfaltungspotenzial (Bozarth) Absichts- und Strategielosigkeit der Therapeutin (Brodley) "Einziges" Ziel: Das Beziehungsangebot dem Klienten so vermitteln, dass er Wertschätzung und Empathie des Therapeuten als solche wahrnimmt (Brodley)
PERSONALE BEGEGNUNG Gegenwärtigkeit, Personale Begegnung (Schmid) Tenderness (Thorne) |
KLZ. THERAPIE ALS FUNKTIONALE BEZIEHUNG SPEZIFISCHES BEZIEHUNGSAN-GEBOT (Biermann-Ratjen, Eckert & Schwartz) PSYCHODYNAMISCHES VERSTÄNDNIS (Finke) Prozessuale Diagnostik (ÖGwG) Hermeneutische Empathie (Keil) Szenisches Verstehen (Sommer) STÖRUNGSSPEZIFISCHES WISSEN Grundhaltungen nicht zu verwirklichen ohne Störungswissen und Einbezug der lebensgeschichtlichen Perspektive, (Binder, Finke,Swildens, Speierer) INTERPERSONELLE ORIENTIERUNG (van Kessel & van der Linden) EXISTENZIALISTISCHE ORIENTIERUNG (Swildens, Cooper) |
EXPERIENZIELLE THERAPIE FOCUSING-THERAPIE (Gendlin) "Wiederherstellung" des Experiencing-Prozesses „Listening and focusing“ Arbeit mit dem Felt Sense, den der Klient noch nicht hat PROCESS-EXPERIENTIAL THERAPY (Rice, Greenberg) Prozessdirektivität, jedoch nicht inhaltsbezogene Direktiven; Processing emotionaler Schemata ZIELORIENTIERTE GT Zielorientierung, Interventionen müssen immer Bearbeitungsangebote sein (Sachse) |
Bozarth (1998, 6): "The foundation block of person-centered therapy is the actualizing tendency." bzw. Brodley (1990): Das erste Prinzip der Klz. Therapie ist das Vertrauen in den Klienten. Das zweite ist die Idee, dass (kongruentes, bedingungslos wertschätzendes) Verstandenwerden persönliche Veränderung bewirkt. Daraus folgen als Konsequenz:
Schlussfolgerung 1: "The essence of person-centered therapy is the therapist's dedication to going with the client's direction, at the client's pace and in the client's unique way of being" (Bozarth 1998, 9).
Schlussfolgerung 2: Völlige Absichtslosigkeit des Therapeuten: "Client-centeredness involves a profoundly non-diagnostic mindset." (Brodley & Brody, 1996, 371)
Prouty (2001) fasst dies so zusammen, dass die Nicht-Direktivität (obwohl sie Rogers nicht formell in seine Definitionen aufgenommen hat) das wesentliche Charakteristikum der Klz. Therapie ist.
Person-zentrierte Therapie muss dem Menschen als Person gerecht werden: "Ziel des therapeutischen Prozesses jedoch bleibt die volle - also wechselseitige und symmetrische - personale Begegnung, bei der beide Personen in tiefer und freier Weise einander als Personen gegenübertreten und somit, einerseits eins werdend, sich andererseits als jeweils Andere anerkennend, einander als Personen gegenwärtig sind und vergegenwärtigen." (Schmid, 1994, 272).
Personzentrierung bedeutet für Schmid zugleich Ablehnung von Methoden und Techniken, Methodenintegration, bewusster Beachtung des Experiencing, ja auch von der Unterscheidung verschiedener Strömungen in unserem Ansatz. "Die Un-Mittel-barkeit entsteht durch das Zerfallen der Mittel (Buber), die trennend zwischen uns stehen: Begegnung ist Sein ohne Mittel und mittellos, somit unmittelbares Erleben (Levinas). Das setzt zuallererst den Verzicht auf Techniken, Methoden, Mittel voraus, die als Schutz dienen, um solches, das einem 'wider-fährt', auf den Leib rückt, abzuwehren." (Ebd. 275).
Biermann-Ratjen, Eckert & Schwartz (2003; 15) sehen die eigentliche Entdeckung von Rogers weniger in den therapeutischen Grundhaltungen, sondern vielmehr in dem Zusammenhang, dass Menschen ganz von sich aus „das Selbst werden, das sie in Wahrheit sind“, wenn sie unbedingte positive empathische Beachtung erleben. Daher besteht Klz. Therapie wesentlich in einem spezifischen Beziehungsangebot des Therapeuten an den Klienten. „Der Gesprächspsychotherapeut versucht eine Beziehung zum Klienten herzustellen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass er auf der Grundlage eigener Kongruenz den Klienten empathisch verstehen und fühlen kann, dass er ihn in seinem gesamten Erleben unterschiedslos wertschätzt." (ebd., 31). Diese Beziehung ist jedoch – auch wenn sie eventuell zu tiefen persönlichen Begegnungen führt – eine funktionale oder Arbeitsbeziehung, die vom Therapeuten nicht um ihrer selbst willen, sondern um des Therapieprozesses willen angestrebt wird.
Das Funktionale oder Professionelle am unbedingt wertschätzenden empathischen Verstehen wird von Biermann-Ratjen, Eckert & Schwartz m. E. darin gesehen, das nicht bloß das Erleben (die „Gefühle“) des Klienten verstanden werden soll, sondern wie der Klient mit seinem Erleben umgeht („Gefühle, die die Gefühle machen“). „Das Gefühl der Unbedingten Wertschätzung des Klienten im Therapeuten wird in der Regel weit weniger durch die 'Gefühle' eines Klienten erschüttert als durch den Umgang des Klienten mit diesen“ (ebd., 105). Es geht also weniger um das Erleben, sondern vielmehr darum, wie leicht oder schwer, wie angenehm oder unannehmbar, wie selbstverständlich oder erschreckend usw. das jeweilige Erleben für eine Person ist. Empathisches Verstehen bedeutet somit, sich intensiv im „Inneren Bezugsrahmen“ der Person bewegen zu können.
Als ein weiteres wesentliches funktionales Element der Klz. Therapie haben Biermann-Ratjen, Eckert & Schwartz die Notwendigkeit der Indikationsstellung ausgearbeitet. Die Indikationsstellung darf nicht von irgendwelchen psychologischen Behandlungsmodellen her, sie muss vielmehr aus dem Klz. Konzept selbst abgeleitet werden. Demnach müssen v.a. zwei Bedingungen erfüllt sein, damit Klz. Therapie stattfinden kann. Der Klient muss zum Einen an einer Inkongruenz in seinem Erleben leiden. Die Inkongruenz darf dabei aber nicht derart sein, dass sie eine Beziehungsaufnahme zum Therapeuten unmöglich macht und sie darf auch nicht generell die Beziehungsaufnahme zu sich selbst (Selbstexploration) verhindern. Zum Anderen muss der Klient das Beziehungsangebot des Therapeuten zumindest ansatzweise wahr- und annehmen können. (Vgl, Rogers' Bedingung Nr. 6!)
Wie J. Finke die Klz. Therapie versteht, kommt m.E. am Besten zum Ausdruck, wenn man sich zunächst sein Verständnis von Psychotherapie allgemein vergegenwärtigt. Finke zählt die Klz. Therapie ja zu den Psychotherapieformen, die wesentlich mit unbewusster Psychodynamik befasst sind. In Finke (1998) werden als deren Grundannahmen definiert:
Finke (2004) interpretiert die neueren Entwicklungen der Klz. Therapietheorie als Ausdifferenzierung von drei Hauptwirkfaktoren. Demnach geschieht Veränderung durch bedingungsfreies Akzeptieren (i.S. eines empathischen Mitvollziehens im Vertrauen auf die Aktualisierungstendenz) und/oder durch empathisches Verstehen (i.S. eines hermeneutischen Verstehens des Noch-nicht-Verstehbaren; vgl. Keil 1997) und/oder durch personale Begegnung (i.S. einer korrigierenden Beziehungserfahrung). Die verschiedenen Strömungen der Klz. Therapie unterscheiden sich für Finke in der unterschiedlichen Akzentsetzung, die sie einem oder mehreren von den drei Änderungskonzepten beimessen. Finke selbst präferiert das Konzept des empathischen Verstehens, wobei es hier nicht nur um empathisches Mitfühlen, „sondern um ein gezieltes Erfassen von Bedeutungsverweisen, Sinnstrukturen und Emotions-Motivations-Zusammenhängen“ (ebd., 6) geht. "Die entscheidende Aufgabe des Therapeuten in einer konfliktzentrierten Therapie besteht darin, das "Unerklärliche" zu verstehen und das Verstandene so zu kommunizieren, daß es beim Patienten zu einer affektiv verankerten, das Erleben ändernden Einsicht führt." (1998, 130)
Ute Binder (1994, 17f) ist "davon überzeugt, dass wir zumindest bei der Arbeit im klinischen Bereich ohne differenziertere Untersuchungen von bestimmten Krankheitsphänomenen, den damit einhergehenden Erlebnisweisen und deren Entstehungsbedingungen weit unter dem erreichbaren und für klinische therapeutische Arbeit notwendigen Niveau der Verwirklichung der Variablen bleiben".
Eckert (1985) verweist darauf, dass bei schwereren Störungen Wertschätzung und Kongruenz des Therapeuten oft bedroht sind und daher kein empathisches Verstehen möglich ist. Deswegen brauchen wir zwar keine störungsspezifischen Ansätze, jedoch: "Ich bin also darauf angewiesen, mein Verstehen durch Einfühlung bei diesen Patienten zu ergänzen bzw. erst zu ermöglichen durch ein Verstehen durch Wissen." (ebd., 119).
Swildens (1991) versteht die klassischen neurotischen und z.T. auch die psychotischen Störungen als Blockaden und Stagnationen des existenziellen Prozesses eines Menschen. Die Blockaden haben dabei störungsspezifische typische Formen, die er als "Alibi" (gegenüber der Existenz) und als "Mythe" (subjektive Geschichtsschreibung als Rechtfertigung für die Stagnation des existenziellen Prozesses) beschreibt.
Speierer (1994) hat im Rahmen seines Differenziellen Inkongruenzmodells (DIM) umfangreiche Beschreibungen störungsspezifischen Erlebens und dem entsprechenden therapeutischen Vorgehens ausgearbeitet. "Neben der Arbeit an der und durch die therapeutische Beziehung steht jetzt gleich bedeutsam eine möglichst ursächliche und gezielte Bearbeitung des individuellen und störungsspezifischen Inkongruenzerlebens in seinen direkten und indirekten Zusammenhängen mit den Störungssymptomen ... Das Ziel ist ... selbstverträgliche(re) Erfahrungen an die Stelle von selbstbedrohlichen Erfahrungen treten zu lassen durch Inkongruenzverringerung, Inkongruenzauflösung und / oder Inkongruenztoleranz." (Ds. 2002, 174 f).
Gendlin modifizert das klz. Konzept theoretisch und praktisch. Theoretisch, indem er (1970): Experiencing ("wie die Person innerlich mit sich umgeht") als zentralen Faktor für persönliche Veränderung (und nicht ausschließlich Rogers' 6 Bedingungen!) versteht. Praktisch, indem er (1974) der Klz. Therapie vorwirft, das Wesentliche, nämlich "responding in a listening way" nicht zu tun: "The essence of client-centered therapy is not well-stated as "Say back what the person says", it is much better stated as "Stay in touch at all times with the person's directly felt concrete experiential datum – and help the person also to stay in touch with that, and get into it." (ebd. 220)."The basic principle of the experiential method ist that whatever is said and done must be checked against the concretely felt experiencing of the person." (ebd. 212).
„Primäres Anliegen der Focusing-Therapie ist es, Klienten dabei zu unterstützen, die je eigenen Schritte für die Bewältigung ihrer Probleme und für ihr persönliches Wachstum aus sich selbst heraus entstehen zu lassen. Quelle und Führer für diesen Prozess ist der Felt Sense als ein „Sein-Wissen“, das dem Körper aufgrund seiner permanenten impliziten Interaktion mit der Welt zu Eigen ist.“ (Wiltschko 2003, 120f.)
Von Greenberg u.a. entwickelte spezifische Richtung innerhalb der Klientenzentrierten Psychotherapie, die sich in besonderer Weise auf das innere Erleben (Experiencing) bzw. auf die Arbeit an problematischen Erlebensmustern konzentriert (vgl. Greenberg, Watson & Lietaer, 1998). Einen theoretischen Hintergrund bilden dabei die psychologischen Theoreme von den emotional-kognitiven Schemata, vorbewussten Strukturen, mittels derer wir emotionale, kognitive und sinnliche Information verarbeiten („information-processing“) und persönliche Bedeutung konstruieren.
Psychotherapie dient dazu, die Reorganisation problematischer emotionaler Schemata zu ermöglichen und zu aktivieren. Dementsprechend wird nicht mehr die Inkongruenz zwischen (körperlich) Gefühltem und ins Selbst-Gewahrsein Symbolisiertem als alleinige Quelle von psychischer Dysfunktion gesehen. Neben der Inkongruenz werden v.a. die Aktivierung von massiv-negativen emotionalen Schemata (wie bei gravierenden Bindungsstörungen, nach Missbrauch oder bei psychotischen oder post-traumatischen Erlebensformen) und überhaupt jede Art von Unfähigkeit, divergierende innerpsychische Prozesse zu integrieren, als Ursache von dysfunktionalem Processing des eigenen Erlebens verstanden. Greenberg, Rice & Elliott (2003) haben in dieser Hinsicht beispielsweise sechs partikuläre Processing-Probleme erfasst und auf diese verweisende "marker" identifiziert, die sowohl auf die jeweiligen Störungen des Processing wie auch auf die Bereitschaft des Klienten zur tieferen Exploration derselben hinweisen. Diese Erlebensschemata sind inadäquate affektive Reaktionen, welche die Person selbst nicht haben möchte, Unfähigkeit, einen Felt Sense zu bilden ("intellektualisieren") oder einen Felt Sense zu explizieren (Gefühlschaos), unaufhebbar widersprüchliche Impulse oder Selbstbewertungen, Abblocken von Gefühlen oder Bedürfnissen ("unfinished business"), Selbstbestrafungsreaktionen sowie massive Vulnerabilibität („fragile sense of self“).
Im Hinblick auf die Veränderung problematischen Erlebens-Processings wird die therapeutische Beziehung, das Behandlungsprinzip der Klientenzentrierten Therapie, als generell hinreichend, aber nicht immer als effizient angesehen, und daher mit dem Behandlungsprinzip der "Prozessdirektivität" ergänzt. Die Therapeutin soll dementsprechend zwar keinesfalls die Erlebensinhalte des Klienten, wohl aber sein Erlebens-Processing bzw. dessen Veränderung beeinflussen. Als methodische Zugänge dazu werden in der Therapie neben der Bezugnahme auf den Felt Sense i. S. von Gendlins Focusing, das genaue Gewahren von Sinneswahrnehmungen, das intensive äußere Ausdrücken inneren Erlebens und das Erleben von interpersonalem Kontakt, bei dem das eigene innere Erleben gewahr bleibt, verwendet.
Im Rahmen des Prozess-Experienziellen Ansatzes wurde u.a. von Susan Johnson die "emotionally focused therapy" für Paare und z.T. auch für Familien entwickelt (Greenberg & Johnson, 1988, Heekerens & Ohling, 2004). Es handelt sich dabei um ein relativ kurzzeitiges, systematisches Verfahren zur Veränderung von restringierten Interaktionsmustern und emotionalen Reaktionen innerhalb von partnerschaftlichen bzw. familiären Beziehungen.
Zielorientierte Gesprächspsychotherapie ist eine stark prozessdirektive, differenzielle und störungsspezifische Therapieform, die auf Empathie, Wertschätzung und Kongruenz des Psychotherapeuten basiert, in ihren Strategien jedoch "weit über die klassische Gesprächspsychotherapie" hinausgeht (Sachse 1992; 1996). Theoretisch wird davon ausgegangen, dass psychotherapeutische Veränderung durch eine bestimmte Vertiefung des Erlebens, nämlich durch die Kärung und Veränderung problem-determinierender affektiver und kognitiver Schemata vor sich geht. Um einen solchen Klärungs- oder Explizierungsprozess des Klienten zu fördern, wurden spezifische therapeutische Vorgehensweisen entwickelt, z.B. zur Internalisierung der Perspektive („Was löst das Verhalten von X in Ihnen aus?“), zur Klärung eigener Motive („Was ist Ihnen so wichtig daran, X zu erreichen?“), zur Aktivierung und Repräsentation von Schemata. Besonders wichtig sind hier sogenannte Bearbeitungsangebote des Psychotherapeuten, die das Niveau der vom Klienten geleisteten Klärungsarbeit vertiefen sollen. Sachse unterscheidet dabei drei Ebenen im Therapieprozess: therapeutisches Arbeiten auf der Inhalts-, auf der Beziehungs- und auf der Bearbeitungsebene. Letztere meint die Art und Weise wie eine Person ihre Erfahrungen „verarbeitet“, d.h. wie sei mit ihrem inneren Erleben umgeht. Eine große Rolle spielt hier die „Bearbeitung der Bearbeitung“, z.B. die therapeutische Bearbeitung von Vermeidungen des Klienten. Die Zielorientierte Gesprächspsychotherapie umfasst auch Strategien des Psychotherapeuten, sich zu zentralen Beziehungsmotiven des Klienten komplementär zu verhalten sowie dysfunktionale Interaktionsmuster des Klienten zu bearbeiten; dies ist vor allem bei Klienten mit Persönlichkeitsstörungen bedeutsam.
In jüngster Zeit hat Sachse (2003) seinen Ansatz zur "Klärungsorientierten Therapie" weiter entwickelt und will sein Konzept mittlerweile weniger als ein gesprächstherapeutisches, sondern vielmehr als verhaltenstherapeutisches verstehen.
Bei dieser speziellen Variante der Klientenzentrierten Psychotherapie wird primär nicht an den (innerpsychischen) Beschwerden und Symptomen der Klientin, sondern an deren (interaktionellen) Kommunikations- und Beziehungsmustern gearbeitet. Dem liegt das Konzept zugrunde, dass das Selbst des Individuums keine ursprüngliche Konstante, sondern immer eine Resultante der jeweiligen Interaktionssituation darstellt. Diesen interaktionellen Aspekt in der Psychotherapie hat H. S. Sullivan (1980) mit seiner interpersonalen Theorie der Psychiatrie grundgelegt. Aus dieser Sichtweise, die von Donald Kiesler, einem Mitarbeiter von Rogers, weiter ausgearbeitet wurde, hat sich vor allem in den Niederlanden die sogenannte Interaktionelle Orientierung innerhalb der Klientenzentrierten Psychotherapie entwickelt. Als ihre bekanntesten Vertreter gelten Wim van Kessel und Peter van der Linden (1991/1993; Wim van Kessel & Keil, 2003).
Im konkreten therapeutischen Vorgehen versucht der Therapeut die Klientin zu verstehen, indem er deren interaktionelle Muster bzw. deren Rigidität und Widersprüchlichkeit in der aktuellen Beziehung manifest werden lässt. Dies bedeutet eine Umkehrung der Wichtigkeit der Kommunikationsebenen. Nicht die Inhaltsebene (die Probleme des Klienten) wird behandelt, sondern die Beziehungsebene, d. h. die Art von Beziehung, die die Klientin dem Therapeuten anbietet. Dabei darf der Therapeut nicht auf die von der Klientin angebotene Beziehungsform komplementär eingehen, muss diese aber mittels seiner emotionalen Resonanz deutlich machen ("nicht-positionelle Haltung"). Eine solche „a-soziale Reaktion“ kann Widerstand und Angst bei der Klientin hervorrufen, schafft aber letztlich für sie den Freiraum, die Stereotypien ihrer Kommunikation und deren funktionalen Zusammenhang mit ihren Problemen zu erfassen und zu verändern.
Swildens (1991) geht insofern einen Schritt weiter als Rogers, als er ausgehend von der Existenzphilosophie neben dem organismischen Erleben noch einen tieferen und wesentlicheren Prozess unterscheidet, nämlich den existenziellen Prozess. Dieser besteht darin, sich der Anforderung des eigenen Daseins zu stellen: in der offenbaren Sinnlosigkeit des Daseins (zum Tode) einen gültigen Sinn für die eigene Existenz zu finden. Swildens versteht die klassischen neurotischen und z.T. auch die psychotischen Störungen als Blockaden und Stagnationen dieses existenziellen Prozesses. Die Blockaden haben dabei störungsspezifische typische Formen, die er als "Alibi" (gegenüber der Existenz) und als "Mythe" (subjektive Geschichtsschreibung als Rechtfertigung für die Stagnation des existenziellen Prozesses) beschreibt. Wenn der existenzielle Prozess blockiert ist, reicht "Klientenzentrierte Gesprächstherapie" nicht aus. Dann sind tiefergehende sowohl differenzielle wie auch prozessphasen-orientierte Vorgehensweisen vonnöten.
Hier werden in idealtypischer Weise folgende Phasen unterschieden:
Sein Konzept nennt Swildens "Prozessorientierte Gesprächspsychotherapie".
Die generelle Wirksamkeit der Klientenzentrierten Therapie ist durch eine große Zahl von Untersuchungen ausreichend belegt. Selbst Grawe (1994, 140), dessen großer Meta–Untersuchung einige Fehler und Auslassungen auch im Bereich der Klientenzentrierten Therapie nachgewiesen wurden, spricht dieser "überzeugende Wirksamkeitsnachweise" zu. Die Forschung hat sich nun zunehmend damit beschäftigt, spezifische Faktoren jenseits der Therapiemethoden herauszufinden, die für den Therapieerfolg bedeutsam sein können. Dieses Unterfangen scheitert allerdings dann, wenn versucht wird, unabhängige Variablen im Sinn einer Unabhängigkeit von der jeweiligen therapeutischen Beziehung und von der Persönlichkeit des Klienten zu konstatieren.
Ein wesentlicher Wirkfaktor sollte das Therapeutenverhalten sein. Sauer (1993) fasst die diesbezüglichen Untersuchungsergebnisse so zusammen, dass sie überwiegend bedeutsame Zusammenhänge zwischen den Grundhaltungen und den entsprechenden Erfolgsmaßen belegen. Es zeigt sich dabei, dass die Grundhaltungen nicht als isolierte Faktoren, sondern in ihrer Integration wirksam werden. Bei Rogers' Hypothese von den notwendigen und hinreichenden Bedingungen "kann die Notwendigkeit als empirisch gesichert gelten, bezüglich des hinreichenden Effektes bedarf es sicherlich entsprechender Differenzierungen. Es besteht jedoch kein Anlass, an der prinzipiellen Wirksamkeit der drei Bedingungen Klientenzentrierter Psychotherapie zu zweifeln, wenn sie auch nicht als uniformes Agens mit uniformen Effekten bei Klienten anzusehen ist." (Sauer 1993, 73). Die Diskussion darüber, ob die Grundhaltungen hinreichend sind, wird im Wesentlichen über die Frage nach zusätzlichen Therapeutenvariablen und die Frage nach erlebnisaktivierenden Methoden bzw. der Prozessdirektivität als zweitem Behandlungsprinzip geführt.
Als zusätzliche Wirkfaktoren, die im klientenzentrierten Bereich diskutiert wurden, nennt Sauer (ebd.): Konkretisieren, Konfrontation, Aktivität und innere Beteiligung des Therapeuten, Selbstöffnung und Überzeugungskraft des Therapeuten. Alle diese Faktoren haben einen Einfluss auf den Therapieerfolg, der aber nicht als direkter Zusammenhang nachgewiesen ist. Von weiteren Untersuchungsergebnissen her ist anzunehmen, dass dieser Einfluss abhängt von der Qualität der therapeutischen Beziehung und der Aufnahmebereitschaft des Klienten. Von daher sollte klar sein, dass diese "zusätzlichen Variablen" nicht einfach in eine Reihe mit den Grundhaltungen, den (dann nicht–hinreichenden) so genannten "Basisvariablen" gestellt werden können. Die zusätzlichen Variablen sind also nicht als solche zu verstehen, sondern als Therapeutenverhalten, das sich der Situation entsprechend aus den Grundeinstellungen ergibt.
Untersuchungen belegen die Bedeutung der Intensität der Auseinandersetzung mit dem eigenen inneren Erleben (vgl. Bommert 1977, 145) und die erhöhte Wirksamkeit der Therapie mit Focusing (Sachse/Atrops/Wilke/Maus 1992). Weiters hat Sachse einen größeren Anteil an Erfolgsvarianz durch seinen Wirkfaktor "Bearbeitungstiefe" aufgeklärt und nachgewiesen, dass die Bearbeitungsweise des Klienten durch das vorhergehende "Bearbeitungsangebot" des Therapeuten in hohem Maß gesteuert wird (Sachse 1992). Die (intendierte) Beeinflussung des Erlebensprozesses (nicht der Inhalte) des Klienten scheint also wichtig zu sein. Rice (1974) spricht in diesem Zusammenhang von der "evokativen Funktion" der Therapeutin. Sachse (1992) setzt sich deswegen gar mit seiner "Zielorientierten Gesprächspsychotherapie" von der "klassischen Haltungskonzeption" ab. Einige weitere Autoren wollen zwar im Rahmen bleiben, erörtern aber die Notwendigkeit des Einbezugs so genannter "erlebensaktivierender Methoden".
Von vielen anderen wird dem entgegengehalten, dass dies wiederum ein Missverständnis der Grundhaltungen inkludiert. Wenn die erlebensaktivierenden Methoden sich nicht kongruent aus den Grundhaltungen ergeben, so verblassen letztere zu einem allgemeinen, nur "unspezifisch" wirksamen Faktor. Die Grundhaltungen stellen aber ein spezifisches Beziehungsangebot (Biermann–Ratjen et al. 2003) dar, eine klare, gerichtete Disposition, sich in einer kreativen Weise auf das Erleben des Klienten einzulassen und dieses damit zu berühren. Das Anstoßen des Experiencing–Prozesses bzw. die Beeinflussung dieses Prozesses stehen nicht im Gegensatz zu den Grundhaltungen, sondern müssen aus diesen erfließen.
Biermann–Ratjen et al. (2003, 72) verweisen auf zwei wichtige Voraussetzungen für die Wirksamkeit von Therapeutenverhalten, für die es allerdings erst wenige empirische Belege gibt. Zum einen scheint es so zu sein, dass die als spezifisch für eine Therapiemethode angesehenen Wirkfaktoren nur im Kontext dieser Methode voll wirksam werden. Das bedeutet, dass etwa das rogerianische Beziehungsangebot nur dann wirksam wird, wenn sich die Therapeutin in der klientenzentrierten Therapietheorie und im entsprechenden Menschenbild "zuhause fühlt". Zum anderen scheint die Überzeugtheit, mit der eine Therapeutin ihre Methode verkörpert und anwendet, das Therapieergebnis positiv zu beeinflussen. Eckert und Biermann–Ratjen (1990) bezeichnen daher die "Theorie" der Therapeutin als "geheimen Wirkfaktor". Im günstigsten Fall suchen sich Therapeuten von ihrer Persönlichkeit her diejenige Therapiemethode, in der sie sich am ehesten wieder finden können. Dies ermöglicht eine therapeutische Identität, die eine auch für den Klienten erfahrbare, kongruente emotionale Qualität der Beziehung erlaubt. Ein zusätzlicher Hinweis, wie bedeutsam ein kongruentes und sorgsames Sich–Aneignen des Therapiekonzepts innerhalb der Psychotherapieausbildung ist!
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[1] Die Kapitel 1 und 2 beruhen auf meinem Artikel über die klientenzentrierte Therapietheorie in Frenzel, Keil, Schmid & Stölzl (2001).
[2] Prouty (Prouty, Pörtner & van Werde 1998) hat die Phänomenologie und therapeutische Praxis von Kontaktnahme anhand der tief greifenden Problematik von psychotischer Kommunikation weiter ausgeführt.
[3] Da die Mehrzahl der Psychotherapeuten Frauen sind, ist in diesem Kapitel meist von "der Therapeutin" die Rede. Mit "Therapeutin" und "Klient" sind aber immer beide Geschlechter gemeint.